Die Zukunft hat viele Namen - handeln wir entsprechend?
Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Mutigen ist sie die Chance.
Ist es so wie Victor Hugo andeutet? Ist es wie im Märchen? Der Mutige gewinnt Prinzessin und Königreich und hat so eine goldene Zukunft. Der Schwache dagegen scheitert an den Herausforderungen und kommt nicht weit. Und die Furchtsamen glauben oft nicht daran, dass sie ihre Ziel erreichen können und machen sich deshalb nicht auf den Weg.
Haben also nur Mutige und Starke Karriere- und Aufstiegschancen?
Wenn man manchen Studien und Persönlichkeitsmodellen glaubt, ist es tatsächlich so, dass mutige, dominante Menschen mit dem Hunger auf das „größte Stück vom Kuchen" mehr Chancen auf Führungspositionen haben. Doch es ist genauso belegbar, dass Unternehmen und Teams mit lauter Alphamännchen und -weibchen nicht funktionieren. Es braucht Mut und Stärke, aber eben nicht nur. Gerade auch Eigenschaften wie Zurückhaltung, Solidarität, Besonnenheit ja sogar Ängstlichkeit sind notwendige Erfolgsfaktor. In einem guten Team sind alle Rollen besetzt.
Das vereinfachte Evolutionsprinzip „Nur die Stärksten überleben" ist heute in dieser Vereinfachung widerlegt. Für das Überleben des Wolfsrudels sind die ranghohen und rangniedrigen Rudelmitglieder gleich wichtig. Eine Organisation aus lauter (vermeintlichen) Häuptlingen scheitert. In nicht wenigen komplexen Extremsituationen sind Familien (trotz oder gerade wegen „schwachen" Familienmitgliedern) überlebensfähiger als einzelne mutige, starke Männer. Dieses ist zum Beispiel im Buch „Minimum, vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft" von Frank Schirrmacher gut beschrieben. Er bezieht sich dabei auf den Überlebenskampf eingeschneiter Siedler am Donner-Pass in Amerika des 19. Jahrhundert.
Sicherlich: Mit Mut, Optimismus und Tatkraft nutzen Sie ihre Chancen besser als mit Angst und Zaudern.
Aber betrachten Sie Entwicklung systemisch, das heißt über einen längeren Zeitraum, in Zusammenhängen und in der Gesamtheit. Dann erkennen Sie sogar den Wert von zeitweiliger Furcht und Schwäche - bei sich selbst und anderen.
Und für die immer Mutigen zum Schluss ein Zitat von Jean Paul:
Der Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr übersieht, sondern dass man sie sehend überwindet.
15.08.2011 | Rubrik:
